Der Baum – Symbol des Lebens

Gesendet von am Sep 26, 2015
Der Baum – Symbol des Lebens

“ Seit es den Menschen gibt, ist der Baum Teil seiner psychischen Heimat. Der Mensch stand in einer ursprünglicher Beziehung zu diesem Lebewesen, zum “ Bruder Baum “ , der seit jeher nicht nur ein Element einer vielgliederigen Landschaft, nicht nur eine Pflanze unter vielen war, sondern immer wieder auch ein durch mannigfache Symbolbezüge gekennzeichnetes Wesen, ja ein heiliges Wesen.
Wer einem Baum gegenübersteht, kann ihn in vielfältiger Weise auf sich wirken lassen, ihn in sich aufnehmen. Die Urkraft des Lebens offenbart sich im Baum: das Saugen der Wurzeln im Erdreich, das Atmen der Blätter, das Strömen des Saftes, das Quellen der Früchte.
Ehrfurcht gebietend oder anheimelnd, lieblich oder majestätisch kann sich der Baum in Ausdruck und Bewegung darbieten. In seinem immerwährenden Kreislauf des Wachsens, Verwelkens und Wiederstehens mag sich das Geheimnis der Natur zeigen, in der Leben und Tod nur zwei Aspekte des einen Ganzen sind.
Dem naturverbundenen Menschen konnte der Baum zum Erscheinungsort des Numinosen, zum Wohnort von Göttern, Geistern und Seelen werden; in Bäumen, Hainen und Wäldern fühlte man sich dem Heiligen, dem Göttlichen nahe.
Erst der moderne Wissenschaftler klassifiziert die Bäume, beobachtet sie als Gattungen, studiert und analysiert ihren Bau und ihre Lebensweise. Die Kräfte des Baumes waren auch den Menschen früherer Zeiten nicht unbekannt; doch immer wieder standen sie in Ehrfurcht vor dem Geheimnis, dem Symbol des Lebens, in der Betrachtung des Baumes traten sie in eine Beziehung zu ihm. Der Baum war kein Es mehr, er hatte den Menschen ergriffen. Der Mensch fühlte sich mit dem Baum schicksalshaft verbunden; sein Leben schien mit dem des Baumes in engem Konnex zu stehen.“ Zuerst stirbt der Baum, dann stirbt der Mensch “ ist eine alte Erfahrung, die uns in ihrer schrecklichen Wirklichkeit heute wieder bewusst wird. Es war ein Verhängnis des Menschen, zum Baum und zum Wald in ein rein materielle Beziehung zu gelangen, erst in der Überwindung dieser Projektion und der Wiederfindung der uralten psychischen Verbindung zum Baum kann der Mensch wieder in ein Kontinuum zur Natur eintreten. „

Extrakt aus dem Buch: “ Der Baum – Symbol des Lebens “ – Otto Mazal

Teilen...Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone

Nachricht hinterlassen